Webcam Kotel
Die Christenheit als Kuckuckskind PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Drs. Jan van Barneveld   

Ein unsympathisches Tier

Ein Kuckuck legt sein Ei schon zeitig im Frühjahr – nicht in sein eigenes Nest, sondern in das eines kleineren Singvogels. Der Vogel merkt nicht, dass da ein fremdes Ei im Nest liegt und brütet das Ei zusammen mit seinen eigenen Eiern aus. Das Kuckucksjungen schlüpft zuerst und anstatt sich nett als Gast zu benehmen, schmeißt es die anderen Eier aus dem Nest. Man hat auch gesehen, dass das Kuckucksjungen die Jungen des Singvogels aus dem Nest geworfen hat. Ein übles Tier, dieses Kuckuckskind!

So hat sich die Christenheit gegenüber Israel benommen. Ich erkläre das noch. Aber es ist ein großer Unterschied. Als die Christenheit Israel aus dem Nest geworfen hat, kam ein großer Adler geflogen. Er hat Israel aufgefangen. Das Wunder unserer Zeit ist, dass Gott Israel nun wieder in Sein Nest setzt.

Bruderstreit

Auf der Erde lebte Jesus als jüdischer Rabbi. Er arbeitete in Israel und brachte das Evangelium zum jüdischen Volk. Alles, das Er tat, basierte auf dem Tenach, dem Teil der Bibel, der durch die Christenheit Altes Testament genannt wird. Das Neue Testament existierte noch nicht. Das Evangelium ist übrigens hauptsächlich von Juden geschrieben worden. Die ersten Gläubigen waren Juden. Die Nicht-Juden kamen erst später hinzu, vor allem durch die Missionsarbeit des Apostels Paulus. Schnell bilden die nichtjüdischen Gläubigen eine Mehrheit in der Kirche und es entstand eine Art Wettkampf mit der jüdischen Synagoge.

Dieser Bruderstreit war bereits im Jahr 140 n.Chr. in vollem Gange. Damals sagte ein christlicher Leiter, Justinus der Märtyrer, zu einem jüdischen 'Gegner': 'Was deine Schrift betrifft, oder besser gesagt, nicht die deine sondern die unsrige ...' Die Diskussionen liefen auf eine Feindschaft gegenüber dem jüdischen Glauben und das jüdische Volk hinaus. Diese Feindschaft wurde schnell zum Antisemitismus. Wenn Antisemiten an die Macht kommen, wird es wirklich gefährlich für das jüdische Volk. Das haben wir während des Zweiten Weltkrieges im deutschen NS-Staat gesehen.

Was die Kirche angeht, haben wir das unter Kaiser Konstantin dem Großen (306-337) gesehen. Er machte das Christentum zur Staatsreligion. Unmittelbar danach machte die Kirche Gebrauch davon und verfasste 315 die ersten einschränkenden und diskriminierenden Gesetze gegenüber den Juden und ihren Glauben. Kirchenväter und Bischöfe hielten flammende Predigten gegen die Juden und ihren Glauben. Gott warnte die Kirche im Römischen Reich. Hunnische Räuberbanden und Vandalen überfielen sie und plünderten. Das war im 5. Jahrhundert. Als die Kirche diesen Schock wie durch ein Wunder überwunden hatte, begann der kirchliche Antisemitismus erneut. Juden wurden verfolgt und hier und da gezwungen, sich der Kirche anzuschließen.

Das nächste Urteil kam durch den Islam, der um 650 ganz Nordafrika erobert hatte, so dass in Ägypten kaum oder überhaupt keine Christen übrig geblieben sind. Dennoch predigte die Kirche weiterhin gegen Israel und das antisemitische Gift verursachte bei den Juden die 'Hölle des Mittelalters'. Vor allem während der Kreuzzüge wurden viele Juden ermordet.

Gottes Urteile konnten nicht ausbleiben und 1348 brach in Europa die größte Epidemie aus, die die Geschichte gekannt hat. Die Pest forderte Millionen Opfer. Ungefähr ein Drittel der Bevölkerung erlag dieser Seuche. Wir müssen diese lange, schreckliche und beschämende Geschichte von dem 'christlichen Kuckuckskind', das das kleine Vögelchen Israel aus Gottes Nest werfen wollte, kurz fassen. Vielleicht noch der Fakt, dass die Nazis in Deutschland in ihrer antisemitischen Propaganda anti-jüdische Aussprüche des großen Reformers Martin Luther verwendeten. So ist im Laufe der Jahrhunderte ein Fluch über viele Kirchen gekommen.

Zwei Fragen und eine Antwort

Wie ist also das Verhältnis zwischen Israel und der Kirche? Das jüdische Volk glaubt doch (noch) nicht an Jesus als den Messias!

Die zweite und wichtige Frage ist: Wie werden wir diesen Fluch los? Die Antwort auf beide Fragen ist sehr einfach. Wir müssen gut auf die Bibel hören: 'Gott hat ihnen einen Geist der Betäubung gegeben' (Römer 11,8). Der Herr Jesus sprach extra zu den Juden in Gleichnissen, 'damit sie es nicht sehen, auch wenn sie es sehen, und nicht verstehen, auch wenn sie es hören' (Lukas 8,10). Sie konnten nicht glauben (Johannes 12,39). Was war und ist immer noch der Grund dafür? Auch auf diese Frage gibt Paulus eine Antwort:

'Im Blick auf das Evangelium sind sie zwar Feinde um euretwillen; aber im Blick auf die Erwählung sind sie Geliebte um der Väter willen.'
Römer 11,28

'Sondern durch ihren Fall ist den Heiden das Heil widerfahren'
Römer 11,11

Es ist also für uns. Anstatt dass die Kirche Israel dankbar ist, haben wir das jüdische Volk verfolgt. Unser Platz ist, dass wir durch den Glauben an den Herrn Jesus 'Mitbürger der heiligen' (Epheser 2,19) geworden sind. In der Geschichte des Kuckuckskinds können wir sagen: Wir sind Mitbürger des Nestes von Israel geworden. Wir gehören zu Israel.

'Nämlich dass die Heiden Miterben sind und mit zu seinem Leib gehören und Mitgenossen der Verheißung in Christus Jesus sind durch das Evangelium ...'
Epheser 3,6

Achten Sie auf das Wort 'Mit-'! Gott gebraucht Israel und die Kirche für sein Ziel hier auf Erden. Israel ist Gottes auserwähltes Volk geblieben. Paulus verwendet noch ein Bild, um uns das deutlich zu machen. Er vergleicht Israel mit einem edlen Ölbaum. Zu seiner Zeit sind ein paar Äste abgebrochen. Wir, Nicht-Juden, werden mit einem wilden Ölbaum vergleichen. Menschen, die an Jesus glauben, wurden durch Ihn auf den edlen Ölbaum gepfropft, auf Israel also. Lesen Sie es nach in Römer 11.

Die Christenheit ist schuldig geworden an Israel und an dem Gott von Israel. Deswegen ruht der Fluch gerade auf dem Christentum in Europa. Deswegen der Abfall. Deswegen kommt auch keine Erweckung. Wie kommen wir von der Schuld los? Durch das ehrliche Eingestehen und Bekennen der Sünde. Und dadurch, dass wir um Vergebung bitten, uns bekehren zu Gott und die Haltung gegenüber Israel verändern.

Zurück zur Nähe

Es ist schlimm festzustellen, dass die Christenheit in dieser Zeit noch nicht viel aus ihrer anti-jüdischen Geschichte, die nun mehr als 18 Jahrhunderte dauert, gelernt hat. Wir müssen nicht nur zu unseren biblisch-jüdischen Wurzeln zurück, sondern auch zurück zu unserem älteren Bruder Israel. Denn der Gott Israels, der durch den und in dem Herrn Jesus auch unser Gott ist, ist bereit für den Abschluss der Weltgeschichte. Das bedeutet, dass nach einer Zeit der Urteile, die u.a. in dem biblischen Buch Offenbarung beschrieben stehen, das messianische Königreich auf Erden anbrechen wird. In diesem Friedensreich wird Israel eine Hauptrolle spielen. Wir machen auch mit. Wenn wir zumindest unseren Platz in Gottes Plan wieder einnehmen. Der Platz ist neben dem Israels. Jeder mit eigenen Aufgaben. Für uns gibt es momentan zwei Prioritäten: 1. Gebet und Unterstützung für Israel; 2. Die Aufgabe der Weltmission beenden.

Kirchen und Christen, die sich dieser zwei Aufgaben annehmen, können noch den Segen des Allmächtigen, des Gottes Israels, erwarten.

Kommentar schreiben

Bitte alle Felder ausfüllen.