Jeden Tag auf den Mauern laufen, jeden Tag aufs Neue die Begegnung mit besonderen Menschen. Es scheint, dass sich viele Gläubigen sehr sicher fühlen. Endlich brauchen sie ihre Liebe und Mitgefühl für das jüdische Volk und Israel nicht mehr unter Stühle oder Bänke zu verstecken. Sie brauchen nicht ihren Mund zu halten, keine kritischen Blicke ... lautstark werden die wunderbaren Verheißungen von Wiederherstellung, Trost, Wiederaufbau und Vergebung aus Gottes prächtigem Wort vorgelesen. Es wird einem bewusst, dass das Lächeln des Gottes Abrahams, Isaaks und Jakobs – den du und ich „Vater“ nennen dürfen – auf diesem Abenteuer ruht. Davor wird man still und sehr klein.
Dennoch wiederhole ich es: Sei demütig, aber ... freimütig! Das ist so geheimnisvoll. Denn wer sind wir? Verletzliche Menschen mit unseren schwachen Angewohnheiten, aber wenn man sich dann bewusst macht, dass Yeshua unsere verletzliche Natur durch Sein Opfer an dem verfluchten Holz mitgenommen hat und dass wir nicht aus „eigener Kraft“ sondern durch Ihn auf der Mauer laufen dürfen, dann wird man still. Nicht zu still natürlich, denn um Zions willen dürfen nicht nicht länger schweigen ...
Ersatztheologie
Wie ist das doch möglich. Es entsteht nach einer Trennung eine neue Gemeinde und es wird eine „Richtlinie“ über Israel hingeschmiert. Dies wurde mir diese Woche zugeschickt. Ein unlesbares Stück persönlicher Interpretationen. Man kann als einfacher Niederländer nichts daran festmachen, aber es kommt dabei heraus, dass Israel nichts mehr zur Sache tut. Nur das geistliche Israel, gut geraten, damit sind die Christen gemeint, bilden nun das wirkliche Israel. Ich habe mich wirklich über den Gedankengang dieses charismatischen Zauberers verwundert: „Gott hat Seinen ewigen Bund mit Israel und dem jüdischen Volk aufgelöst.“
Kein Wort über die Erfüllung der Prophetien, die die physische Wiederherstellung des Staates Israel betreffen, der Wiederaufbau der Ruinen, Jerusalem, das wiederaufgebaut wird, die Wildnis, die wie der „Garten Eden“ wird, das jüdische Volk, das nach Israel zurückkehrt, der Weingarten, der wieder Wein fließen lässt, die verfallene Hütte Davids, die wieder aufgebaut wird ... Die Erfüllung dieser Prophetien geschieht in unseren Tagen! Wir stehen nahe dabei und weigern uns, es zu sehen. Wie kann das geschehen? Dann noch der Text aus 1. Korinther 15,46: „Zuerst kam der irdische Körper; dann der geistliche.“
Wenn du wirklich Gottes Wort studierst, wirst du zu deiner Freude entdecken, dass alle Prophetien, die erfüllt wurden, erst eine physische Erfüllung erfuhren. Geh mal alle Sonntagsschulerzählungen durch! Erst danach, in der nahen Zukunft, werden wir die geistliche Erfüllung anschauen dürfen.
Was mir bei diesen Ersatz-Studien auffällt, ist, dass das Mitgefühl und die Liebe für die Juden und Israel immer fehlt. Liebe, einfühlsame Kirchenleiter werden auf einmal bissig und kalt, wenn es um die klinische Erklärung ihrer (zutiefst antisemitischen) Haltung geht. Diese Briefe sagen doch viel mehr über den Autor als über Israel ... Es sind die Worte von Gott selbst.
So spricht der HERR Zebaoth: Ich eifere für Jerusalem und Zion mit großem Eifer 15 und bin sehr zornig über die stolzen Völker; (und viele Kirchen B.R.) denn ich war nur ein wenig zornig, sie aber halfen zum Verderben. 16 Darum spricht der HERR: Ich will mich wieder Jerusalem zuwenden mit Barmherzigkeit.
Sacharja 1,14-16
Und dann diese Geschichte der lieben jungen Frau, die diese Woche mit auf der Mauer gelaufen ist: Sie blieb für längere Zeit in Israel und wurde, wie es üblich ist, am letzten Sonntag vor ihrer Reise nach Israel durch ihre Gemeinde ausgesandt. Der Älteste im Dienst segnete sie und betete noch ein extra Gebet voller Mitgefühl für Israel. Das hätte dieser Älteste nie tun dürfen. Er wurde von dem Gemeindeleiter herbeizitiert und zur Rechenschaft gezogen. …“ weil er es gewagt hat unangekündigt ein Segensgebet über Israel auszusprechen.“
Die junge Frau weinte, als sie diese Geschichte beim Kaffee nach der Tour erzählte. Wie ist es möglich, dass so etwas im Jahr 2008 passiert. Liebe Leser, diese antisemitischen Praktiken müssen wirklich verschwinden.
Frontsoldaten
Wir schreiben das schon regelmäßig. Auch in der letzten Ausgabe von Israel Today war es wieder spürbar: Es herrscht eine depressive Stimmung in Israel. Nun, da die Wahlen wieder anstehen, hört man es andauernd: „Wir haben keine Leiter, nur Politiker, und immer wieder dieselben (nicht vertrauenswürdigen) Gesichter ...“
Ich habe einen sehr guten Freund in Israel. Er ist viel jünger als ich, aber hat soviel mehr durchlebt. Als junger Mann wurde er in den Libanon geschickt und hat da hart gekämpft. Er hat viele Freunde verloren. Manchmal genau neben ihm. Er ist selbst in Hinterhalte geraten und hatte schon mit dem Leben abgeschlossen. Heute ist er Inhaber eines netten Unternehmens. Diese Woche habe ich wieder bei ihm im Büro eine Tasse Kaffee getrunken. Er hat kaum den Kopf gehoben.
„Bart, ich fange an, Mut und Hoffnung zu verlieren, ehrlich gesagt sehe ich keine Zukunft mehr. Wer nimmt unser Land an die Hand.“
Auf einmal sah ich in ihm einen Wächter. Er stand viele Jahre in der Armee an der Front. Er zeigte mir ein seitengroßes Foto von ihm in einem bekannten Buch. Schwerbewaffnet, stramm und selbstsicher lächelnd geht er auf die Linse zu. Wer kann ihm etwas anhaben?! Israel ist unüberwindbar, wir sind die schlausten, haben den besten Geheimdienst. Aber heute ist nur wenig von diesem Selbstbewusstsein übrig geblieben. „Unsere Knochen sind vertrocknet, für uns gibt es keine Hoffnung mehr, es ist zu Ende mit uns“ (Hesekiel 37,11). Doch wissen wir, dass Israel, das jüdische Volk zu seinem Gott zurückkehren muss. Sie müssen rufen (genau wie die „Ersatz“-Brüder) und du und ich müssen in der Zwischenzeit für dieses wunderbare Volk in die Bresche springen. Zuhause, in der Gemeinde oder hier, physisch auf den Mauern Jerusalems!
Wir sehen uns, auf der Mauer in Jerusalem!






Kommentar schreiben